üseri beiz ::


Die Appenzeller Zeitung berichtete:

WOLFHALDEN. Hilda Wirth ist die erste Besenbeizerin in Ausserrhoden. Ragt vor dem Haus ein Besen himmelwärts, ist die Wirtschaft 'Zur Schiiterbig' für Kunden offen.

BB? Wer an den einst berühmten französischen Filmstar Brigitte Bardot denkt, liegt falsch. Das Kürzel 'BB' steht in diesem Falle für Besenbeizerin, und wohl die erste ihrer Art im Appenzellerland ist Hilda Wirth. In ihrem unmittelbar am Witzwanderweg gelegenen Haus hat sie kürzlich eine Gelegenheitswirtschaft eröffnet. Für Klarheit sorgt dabei ein währschafter Besen: Ragt er vor dem Haus himmelwärts, kann in der Wirtschaft 'Zur Schiiterbig' Einkehr gehalten werden.

Früher schon Wirtschaft
Aus dem Kanton Schwyz stammend, hat Hilda Wirth-Rickenbacher eine gastgewerbliche Servicelehre und anschliessend eine Handelsschule absolviert. Verschiedene Arbeitsstellen und dann auch die Heirat mit Ueli Wirth führten sie in den Kanton Aargau. 1984 erwarb das Ehepaar das Haus Nummer 671 im Högli. Das älteste Gebäude im Weiler Högli soll bereits früher eine Wirtschaft gewesen sein, und gemäss Historiker Ernst Züst befand sich am sonnigen Hügeli (der markante Hügel gab dem Weiler den Namen) ein Rebberg.

Högli-Hexe zum Tode verurteilt
Fast unheimlich mutet die Tatsache an, dass die durch Heirat von Oberegg ins abgelegene Högli gekommene Anna Lutz-Stähelin der Hexerei angeklagt wurde. 1641 erfolgte ihre Überführung in den Ausserrhoder Gerichtsort Trogen, wo sie gefoltert, verurteilt, enthauptet und anschliessend verbrannt wurde. An Stoff für angeregte Diskussionen ist der am alten Weg von Wolfhalden nach Walzenhausen gelegenen 'Schiiterbig' mangelt es also keineswegs.

Engagement für Spitex
Langjährig hat sich Hilda Wirth für die regionale Spitex-Organisation sowie für den Verein Gemeinden Gemeinsam AR (Unterstützung des Wiederaufbaus in Ex-Jugoslawien) eingesetzt. Selber beteiligte sie sich an rund 50 Lastwagenfahrten mit Hilfsgütern ins kroatische Zupanja. War sie zuhause, freute sich sich an den Wanderern auf dem vor elf Jahren eröffneten Witzweg, die gerne innehielten, das sanft renovierte Haus bestaunten und das Gespräch suchten. Nachdem ihr Gatte vor rund zwei Jahren verstorben war, begann in Hilda Wirths Kopf der Gedanke einer 'BB' zu reifen.
Nach Abklärungen durch die Ausserroder Verwaltungspolizei wurde die Besenbeiz 'Zur Schiiterbig' Wirklichkeit.
Seither lassen sich Witzwegler gerne an den einladenen Tischen nieder, um ein kühles Getränk, ein Vesperplättli oder etwas Süsses zu geniessen. Einige Sitzplätze befinden sich in der kleinen Garage sowie im ehemaligen Torkelraum, wo es sich bei Regenwetter ebenfalls gemütlich verweilen lässt.

Text: Peter Eggenberger